Usability Report

User Experience verstehen

10 Usability Heuristiken nach Nielsen - Systeme bewerten ohne zu fluchen

3 Minuten Lesezeit

Wir mussten alle schon Erfahrungen mit miserabler Software machen. Dabei gehen uns einige Adjektive durch den Kopf… Doch wenn wir die konkreten Probleme lösen möchten, helfen uns subjektive Eindrücke wenig.

Die Methode der Heuristischen Evaluation erlaubt uns, mit wenig Zeit und Aufwand annähernd objektive Aussagen über die Benutzerfreundlichkeit eines Systems zu treffen.

Diese Artikelserie erklärt zunächst den Begriff und führt die 10 Heuristiken von Jakob Nielsen ein. Anschließend lernen wir deren Gebrauch in der Bewertung von interaktiven Systemen.

Bedeutung

Heuristik kommt vom altgriechischen εὑρίσκειν (heurískein) was so viel bedeutet wie „auffinden” oder „entdecken”. In der Verhaltenspsychologie meint die Heuristik eine Vorgehensweise, mit der wir trotz unvollständigen Wissens und begrenzter Zeit Aussagen und Entscheidungen treffen können. Versuch und Irrtum oder das Ausschlussverfahren sind prominente Beispiele, die wir täglich benutzen. Umgangssprachlich kommt die Faustregel der Bedeutung am nächsten.

Jakob Nielsen entwickelte 1995 diese zehn allgemeinen Prinzipien für gutes Interaktionsdesign. Laut eigener Aussage verwendet er den Begriff Heuristiken, da es sich um „breite Faustregeln und nicht um spezielle Usability Richtlinien” handelt.

Wie lauten also die Faustregeln der Usability?

Die zehn Heuristiken

  1. Sichtbarkeit des Systemstatus
    Das System informiert den Nutzer immer darüber, was gerade passiert – rechtzeitig und durch angemessenes Feedback.

  2. Übereinstimmung von System und Wirklichkeit
    Das System spricht die Sprache des Nutzers – mit ihm vertrauten Wörtern, Phrasen und Konzepten. Entlehnt aus der echten Welt erscheinen Informationen in ihrer natürlichen und logischen Ordnung.

  3. Nutzerkontrolle und Freiheit
    Nutzer führen Aktionen oft unbeabsichtigt durch. Auswege wie „Rückgängig”, „Wiederholen” und „ESC” sind deshalb immer möglich und sichtbar.

  4. Beständigkeit und Standards
    Nutzer müssen nicht überlegen, ob unterschiedliche Wörter, Situationen und Aktionen das Gleiche meinen. Die Konventionen des Betriebssystems werden eingehalten.

  5. Fehlervermeidung
    Besser als jede gute Fehlermeldung ist ein sorgfältiges Design, welches Fehler gar nicht erst auftreten lässt. Das System vermeidet fehleranfällige Situationen oder warnt den Nutzer und lässt ihn die Aktion bestätigen.

  6. Wiedererkennung statt Erinnerung
    Durch sichtbare Objekte, Aktionen und Optionen muss der Nutzer weniger im Gedächtnis behalten. Anleitungen zum Gebrauch des Systems sind sichtbar oder leicht zu erreichen.

  7. Flexibilität und Effizienz
    Kurzbefehle und andere Abkürzungen – unsichtbar für Neulinge – beschleunigen bei fortgeschrittenen Nutzern die Bedienung. Zusätzlich sind häufige Aktionen individuell anpassbar.

  8. Ästhetisches und minimalistisches Design
    Dialogfenster enthalten keine überflüssigen oder nur selten gebrauchten Informationen. Denn jede zusätzliche Information steht in Konkurrenz mit den relevanten Informationen und mindert deren Sichtbarkeit.

  9. Hilfestellung beim Erkennen, Bewerten und Beheben von Fehlern
    Fehlermeldungen sollten in klarer Sprache (kein Code) formuliert sein, das Problem exakt beschreiben und eine konstruktive Lösung vorschlagen.

  10. Hilfe und Dokumentation
    Obwohl es besser ist, wenn der Nutzer ein System ohne Hilfe benutzten kann, ist es manchmal Nötig, eine Dokumentation bereitzustellen. In dem Fall sind die Informationen einfach zu finden und konzentrieren sich auf die Aufgabe des Nutzers. Die Dokumentation enthält konkrete Schritte zur Ausführung und beschränkt sich auf das Wesentliche.

Error on Windows

Anhand des Artikels von Jakob Nielsen habe ich die Punkte frei übersetzt, um deren Inhalt in möglichst präziser und einfacher Sprache wiedergeben zu können.

Im zweiten Teil dieser Artikelserie lernst du, wie wir Systeme mit Hilfe dieser Heuristiken möglichst objektiv bewerten.

profilbild Johannes Borchard

Ich studiere Mensch-Computer-Systeme an der JMU Würzburg und möchte Usability & UX Consultant werden. Erfahrungen und Erkenntnisse teile ich auf diesem Blog.